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Die Erinnerung verblasst -Der Wanderer der letzten Zeit- Textauszug

Sieben Männer in weißen Gewändern saßen um einen mächtigen, runden Tisch. Fackeln tauchten den Raum in ein warmes Licht und ein riesiger Kamin spendete die notwendige Wärme. Die Wände des Raumes waren mit unbehauenen Natursteinen ausgekleidet, die wie ein großes Puzzle meisterlich zu einem Verbund zusammengefügt waren. Unter der Decke trugen mächtige Stämme eine anscheinend schwere Last. Der Raum war rund und befand sich im obersten Drittel eines hohen Turmes.
Der befand sich in einer Stadt, die den Namen Wis trug. Sie bestand nur aus einigen wenigen Häusern. Der Turm bildete den Mittelpunkt, die Häuser zogen einen ersten inneren Kreis um ihn herum. Einen zweiten Kreis bildete ein großer Garten mit Obstbäumen, kleinen Äckern, Wiesen und Feldern, auf denen Getreide und Gemüse wuchsen. Das Gras, die Kräuter und Pflanzen der Wiesen dienten Schafen als Speise und diese wiederum dienten den Bewohnern als Speise, um das Nahrungsangebot abzurunden. Den äußeren Kreis um die Stadt bildeten Büsche, Sträucher und kleinwüchsige Bäume, die dafür sorgten, dass der Wind in seiner Kraft gebremst werden konnte, außerdem kleineren Tieren Nahrung und Schutz boten.
Der äußere Kreis wurde an einer Stelle unterbrochen und jeder, der Wis besuchte, wurde von den Sätzen begrüßt, die über einem Eingang, der wie ein Tor ohne Türen aussah, standen. „Du kommst, um zu suchen und nicht um zu finden! Du gehst, um zu finden und nicht um zu suchen.“

Die sieben Männer hatten alle ihre Handflächen auf den Tisch gelegt und schauten mit gesenktem Blick auf ein Buch, das in der Mitte des Tisches lag. Es wirkte sehr alt und war ohne Schnörkel. Nur ein Schriftzug befand sie auf dem Deckel, in einer Sprache geschrieben, die seit Anbeginn aller Dinge Gültigkeit hatte. Das Buch war nicht sonderlich dick, hatte anscheinend nicht allzu viele Seiten und doch zog es alle Aufmerksamkeit der versammelten sieben Männer auf sich.
„Ist es so, wie wir es sehen, oder sehen wir das, was wir sehen wollen?“, fragte der mit dem längsten weißen Bart in der Runde. Keiner antwortete, doch alle nickten fast unmerklich und schauten sich dabei gegenseitig mit festem aber warmen Blick an.

„Es steht geschrieben“, nahm der Weißbärtige wiederum das Wort auf, „das die Zeit kommen wird, wo die Schrift verblasst. Und je näher das kommt, was alles auslöschen will, was wesentlich ist, desto mehr wird die Schrift des Buches verblassen. Doch es steht nichts davon geschrieben, was geschehen soll und es steht nichts davon geschrieben, wie wir es aufhalten können. Es stehen nur Sätze am Ende des Buches, die uns allen ein Rätsel sind. Da wir als die Weisen nicht in der Lage sind, dieses Rätsel zu lösen, so sind wir übereingekommen, das die Zeit noch nicht gekommen ist, dieses Rätsel zu lösen. Meine weisen Brüder und Hüter des ‚Buches der Erinnerung’. Wir haben unseren Zweck erfüllt, bis zu dieser Stunde. Es liegt nicht an uns, das weitere Schicksal mitzubestimmen. Wir taten, was wir tun konnten und taten es in aller Weisheit, die uns geschenkt wurde und die sich außerdem jeder von uns hart erarbeitet hat. Sie fiel uns nicht in den Schoß und doch wurde uns so vieles einfach geschenkt. Aber es liegt nun nicht mehr in unseren Händen. Lasst uns nochmals hören, welche letzten Sätze geschrieben stehen, in dem ‚Buch der Erinnerung’.

Letzte Sätze der Erinnerung

In der Zeit der Dunkelheit und des Vergessens,
in der Zeit, wo alle Hoffnung wäre vermessen,
in der Zeit, in der die Schrift verblasst, vergessen.
Zu dieser Zeit werden sich Mächte erheben.
werden Welten vor Schlachten beben.

Licht zu Licht, Dunkel zu Dunkel, Schatten zu Schatten.
Kein Weiser wird das Ende erraten,
selbst das Schicksal, es wird warten.
Denn diese Zeit wird alles scheiden,
keiner der lebt, vermag sie zu meiden.

„Ich möchte nun von euch wissen, was ihr zu tun gedenkt, denn uns allen ist klar, dass auch wir gemeint sind, als die Bewohner der Stadt Wis, die von denen, die uns kennen ‚Die Stadt der Weisen’ genannt wird.“

Der Älteste unter ihnen, ein Mann mit Namen Gondah, erhob sich von seinem Stuhl und ging nachdenklich um den Tisch. Immer wieder sah er seinen Brüdern an und erhob dann endlich seine Stimme.
„Letin, wir danken dir für dafür, dass du uns zusammengerufen hast, um unsere Meinung zu dem zu hören, was um uns herum passiert. Es ist nicht zu übersehen, dass die Schrift im ‚Buch der Erinnerung’ verblasst, weil die Erinnerung der Menschen an das Wesentliche verblasst. So tragen sie nun ihre neuen Ideale auch in unsere Welt, denn die Welt der Menschen ist mit unserer Welt direkt verwoben.
Ein Häuptling der Menschen namens Seattle sagte einmal: ‚Der Mensch hat das Netz des Lebens nicht gewebt, er ist nur ein Strang dieses Netzes. Was immer er dem Netz antut, tut er sich selbst an.’

In der Erkenntnis das alles eins ist, möchte ich hinzusetzen, dass mit den Veränderungen auf der Welt der Menschen sich überall im Universum Veränderungen vollziehen werden. Nicht viele Menschen sind so weise und haben den Blick für das Wesentliche. Es sind nur noch wenige und selbst den wenigen wird es immer schwerer, das Wesentliche sehen zu können, denn es verschwimmt vor ihren Augen.
Ja, das Wesentliche verblasst auch im Buch der Erinnerung, weil die Dunkelheit danach greift...."Textauszug Ende.

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