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Der Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe

(LC - 30.0.2017)  Psychologen würden sagen: "....Während die meisten Liebe als ein einziges Gefühl wahrnehmen, haben Beziehungsforscher sie in ihre Bestandteile zerlegt.
Drei wesentliche Zutaten nennen Forscher der University of California:
Sexualität, Fürsorge und Bindung.
Sexualität oder Leidenschaft verursacht das erste Verliebtheitsgefühl und die Schmetterlinge im Bauch.
Fürsorge stellt sicher, dass die Partner sich frei fühlen, über alles miteinander zu sprechen, sich zu beschützen und zu trösten.
Die Bindung zum Partner schließlich ist etwas ganz Besonderes. Durch sie wird der Partner zum emotionalen Anker, der ein einzigartiges Gefühl von Geborgenheit schafft. Meist genießt nur ein einzelner Mensch im Leben eines anderen diese Privilegien, sagt Wolfgang Krüger: „Diese Bindung ist so wichtig, weil wir dadurch von unserer Einsamkeit erlöst werden.

Soll aus einer Beziehung nach der Trennung Freundschaft werden, bleibt von den drei Bestandteilen nur noch die Fürsorge übrig.
Eine Freundschaft nach einer Beziehung stellt automatisch einen Mangel her.....“

Die psychologische Betrachtungsweise enthält viele interessante Aspekte.
Sexualität und Partnerschaft: Es existieren Paare, die eine Liebesbeziehung ohne Sexualität leben. Dies ist selten, aber existent. Beide Partner hegen dann weder den Wunsch, noch die Sehnsucht nach sexueller Vereinigung. Sie haben somit keinen Mangel.
Wenn ein Partner ein starkes, oder besonderes sexuelles Bedürfnis hat und der andere Partner dies nicht, oder nur in Teilen erfüllen kann, entsteht ein Mangel, den manche Paare jedoch durch eine intensive Bindung und Offenheit ausgleichen, ohne die "Bindung, sprich Nähe" zu verlieren. Dies ist sehr individuell, in keiner Weise auf andere Paare übertragbar und verändert sich im laufe der Jahre, des älter werden innerhalb der Partnerschaft.
Mangel kann jedoch weder wegdiskutiert, verschwiegen, noch verheimlicht, sondern nur durch Handeln erfüllt werden. Dies sollte man beachten. Mangel sucht sich seinen Weg und führt früher oder später zu bösen Überraschungen. Hier ist es umso wichtiger den Mut zu haben sich zu früh als möglich zu öffnen. Offenheit ist in jeder Sekunde für jeden möglich.

Bindung ist der interessanteste Aspekt, neben der Fürsorge. Denn Bindung "etwas umfassen, einfassen", schließt bei Paaren somit beide Menschen mit Ihren Wünschen, Vorstellungen, Sehnsüchten, Träumen, Leidenschaften ein.
Es umfasst das ganze Sein eines jeden Einzelnen. Paare die eine Bindung miteinander eingehen, haben somit Nähe.
Nähe bedeutet in der Liebesbeziehung, dass beide auf sich zukommen, an sich herankommen. Einige Paare verschmelzen. Auf sich zukommen, an sich herankommen in der Gemeinschaft, ist vom Mut geprägt sich für sich und für den anderen zu öffnen, wahr zu sein und darauf zu vertrauen angenommen zu werden.
Angst vor Nähe ist oft Angst vor Verletzung. Man hat hier schlicht die Wahl, sich zu entscheiden, ob man sich öffnet, zulässt, fließen lässt, oder Distanz benötigt, die jedoch Nähe hindert u.o. auf dauer sogar verhindert und somit auch die Bindung auflöst. Wenn jedoch diese Angst mit dem Partner geteilt, wird und der Partner zuhört und im Handeln diese Angst respektiert, kann dies mit der Zeit zu einer Heilung führen und die Angst ist plötzlich irgendwann fort. Dies ist besonders für Menschen wichtig, die sehr schlimmer Erfahrungen gemacht haben. Ein Partner, der dich liebt, wird liebevoll zu deinen Ängsten sein.

Bindung ist somit der Schlüssel in der Liebesbeziehung und unterscheidet sich in dem Aspekt sehr klar von einer Freundschaft.

Wenn man versuchen würde eine Liebesbeziehung in Worte zu fassen, könnte man somit folgendes sagen:
Es sind zwei Menschen, die eine Bindung eingehen, die beide mit allem, was jeden einzelnen ausmacht und ausmachen wird umfasst und beide teilen dies offen und wahrhaftig miteinander.
Dies schließt Heimlichkeit, Lüge und Betrug aus, weil dies lediglich Distanz und Misstrauen sähen würde, jedoch im eigentlichen Sinne zeigt, dass derjenige nicht so weit ist, vertrauen zu geben und dem anderen nicht zutraut vertrauen zu verdienen. Das "und" ist von mir bewusst gewählt.
Somit ist jeder Vorwurf an den anderen eigentlich ein Mangel an Offenheit.  In einer Liebesbeziehung gibt es keinen Vorwurf, sondern man öffnet sich dem anderen. Man erkennt, dass das, was man fühlt, wie man handelt, aus eigener Entscheidung entsteht, ohne das man die Verantwortung dafür anderen unterschiebt.
Wenn also ein Mangel entsteht, dann öffnet man sich und füllt die Liebesbeziehung mit etwas neuen, ohne die Nähe zu verlassen.

Bindung ist glaube ich eine Fähigkeit, die etwas aus der Mode gekommen ist. Es ist vielleicht zu anstrengend, weil es die eigene Persönlichkeit mit seinen Fähigkeiten und Unfähigkeiten mit einschließt incl. Offenheit und Wahrhaftigkeit als Bonus. Ohne dem geht`s leider nicht, oder nur für eine kleine Zeit. Miteinander zu reden ist nicht miteinander quatschen und erst recht nicht übereinander zu reden.

In Zeiten des "aus Alt mach Neu", ist das austauschen von Partnern mit weniger Aufwand verbunden.
Ob man heutzutage oder in Zukunft den Unterschied zwischen Glück und Glückssucht, Hingabe oder Sexsucht noch differenzieren kann, wird sich zeigen.

Eine Liebesbeziehung ist daher etwas ganz besonderes, weil Sie sogleich die größte Herausforderung an das eigene EGO ist, als auch die intensivste Art, sich selbst im miteinander zu entwickeln. Je weniger man sich versteckt, also öffnet, desto größer ist die Nähe.

Manche Paare erleben irgendwann ein Einssein, dass untrennbar ist. Ob das für den einen eher erschreckend und für den anderen etwas wundervolles ist, darf jeder für sich entscheiden.

Euer Lenny

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