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Cosmas Reise -Textauszug-

Textauszug aus "Der Wanderer der letzten Zeit" von Lennart Cole (C) 2005.
"....Mit gemächlichen Schritt ging sie an das Ufer und sah sich mit wachen Augen um, setzte sich auf einen abgeflachten Felsen und tastete mit Ihren mit Ihren Augen jeden Winkel der Umgebung ab, atmete tief, roch, fühlte, spürte. Cosma strahlte eine Ruhe und eine unbändige Kraft aus. Sie lebte nun in der Gegenwart und ganz bewusst an dem Ort, an dem sie sich gerade befand. Kein Gedanke gehörte zu einem Gestern und kein Gedanke gehörte zu einem Morgen. Sie hatte den Grund für alles unter ihren Füßen und das war es, was sie spürte. Sie spürte für sich die Gegenwart in einer Kraft und Macht, wie sie diese noch nie zuvor erlebt hatte und das war, was ihr von nun an wichtig wurde. Die Gegenwart ist es, von der sie von nun an jedes Ziel ansteuern würde. Die Gegenwart ist es, zu der sie die Vergangenheit gebracht hat. Sie sah nun den Sinn und sah den Unsinn und das in einer Ruhe, die keine Angst mehr kannte, sondern diese als die Lüge schlechthin entlarvte. „Angst du bist eine Lüge und nun bist du besiegt.“

Angst (Satz der Erinnerung)
Angst du Lug und Trug in weitester Ferne.
Von dem ich meine zu sehen, was nicht zu sehen ist.
Angst, du zeigst Bilder so deutlich als wären sie nah,
und bist doch nur ein Spiegel meiner Furcht,
der mir in eigner Lüge zeigt, was nie sein wird.
Doch je klarer das Bild in mir lebt,
dass Du mit eisigem Griffel in mein Herz geschnitten hast,
desto näher kommt es dem, was sein könnte
und wird zu dem, was sein wird 
um letztendlich zu sein was geschieht.

Bevor die Worte in der Weite der Natur verhallten konnten, nahm Cosma zielstrebig ihren Weg auf. Sie wählte ohne zu Überlegen ihre Richtung und entfernte sich vom Fluss in Richtung Süden, dem gewaltigen Bergmassiv entgegen. Zielstrebig suchte sie eine Anhöhe, um sich eine Übersicht zu verschaffen und eventuell einen Weg zu finden, auf der das gehen einfacher war, als durch die wilde Landschaft zu marschieren, doch vor ihr erstreckte sich zunächst, so weit das Auge reichte, nur flaches Land.
Cosma wanderte durch die Hitze des Tages und legte erst, als sie völlig erschöpft war eine Rast eine. Im Schatten eines riesigen Baumes, der einsam in der weiten Landschaft stand, suchte sie sich einen gemütlichen Platz und speiste von Ihrem wundersamen Proviant. Das Brot schmeckte nach wie vor frisch und gab ihr die verlorene Energie zurück, die bei den erlebten Torturen verloren gingen. Kaum hatte sie gegessen, wanderte sie unermüdlich weiter, wohl wissend, dass es sie nicht mehr viel Zeit hatte, um noch ein gutes Stück weiter zu kommen und auch um einen Platz zu finden, der ihr zumindest ein wenig Schutz bat.
Kurz vor Sonnenuntergang traf sie auf einen sehr breiten Weg, der durch einen Wald führte. Er war so breit wie eine zweispurige Straße auf der Welt, aus der sie kam und der Wald auf beiden Seiten machte diese Straße zu einer wunderschönen Allee, die wie mit einem Lineal gezogen ihren Weg durch den Wald bahnte. Das Ende der Straße war nicht zu sehen. Cosma stand für einen Moment auf diesen Weg, ging dann kurz an den Rand der Straße, nahm ein Büschel Gras und schmiss es Hoch in die Luft. Das Gras wehte in die Linke Richtung und so nahm Cosma dies als ein Zeichen und bog ebenfalls links ab, weiter Richtung Süden.
Die Sonne sank immer tiefer und war mittlerweile durch die mächtigen Bäume nicht mehr zu sehen, doch Cosma wusste, wie sich das Licht veränderte, wenn die Sonne ihren tiefsten Stand erreicht hatte. Mit wachen Augen schaute sie jetzt genauer nach einem geeigneten Platz, der ihr die Möglichkeit gab im geschützt die Nacht zu verbringen. Sie fühlte sich nicht so sicher auf der Straße, ihr innerster mahnte sie zur Wachsamkeit und so war es ratsam, eine Stelle zu finden, die ihr die Möglichkeit gab, die Straße zu beobachten und doch nicht gesehen zu werden. Sie bog plötzlich in den Wald ein und fand eine Felsformation, die zu halten schien, was sie sich wünschte. Müde und ausgelaugt wählte sie einen Platz, der ihr ein wenig Blickfeld zur Straße ließ. Der Platz war wie eine Lichtung und sie lehnte sich erschöpft an einen alten, mächtigen Baum, der auf dieser Lichtung stand. Cosmas blick schweifte über die Natur, die sie umgab, in den Himmel, der rot gefärbt von der untergehenden Sonne ein atemberaubendes Schauspiel bot.
Sie versank in eine innere Ruhe, hörte dem Wind zu, den Blättern die im Hauch des Windes tanzten und vernahm immer intensiver die Geräusche der Natur. Sie hörte erst ganz sanft den tiefen Ton der Erde, zu den sich immer mehr Töne gesellten, als würde alles Leben der Natur, die Sonne und die Wolken zu einem gemeinsamen Gesang, der stetig intensiver wurde, einstimmten. Cosma hörte den Tönen zu, die sich langsam zu einer Melodie entwickelten. Innerlich suchte sie den Ton, wollte es jedoch auf der anderen Seite nicht wahrhaben was sie hörte. „Das bildest du dir nur ein,“ sagte sich sich, doch die Melodie, Töne und Stimmen wurden stetig intensiver und entwickelten sich zu einem großen Gesang, in den Cosma begann mit einzustimmen. Cosma sang erst leise und dann lauter und lauter das Lied, das ihr dieser Wald die Natur schenken wollte. Es mischten sich Mitteltöne, hohe Töne hinzu und Cosma begann gemeinsam mit der Natur zu singen, hörte ihre Melodie, hörte ihre Töne und Cosma´s  Gesang  verschmolz mit der Natur zu einem großen Gesang, einem großen Lied, dem Lied des „Lebens“. Sie war überwältigt von dem Gefühl und sie erinnerte sich, wie sie sich fühlte, als sie der Fluss einsaugte und sie das Gefühl hatte auf den Boden eines Meeres zu sinken, von Fischschwärmen umgeben war, wie in einem endlosen weichen Bett. Sie fühlte das gleiche und doch war sie weder in Not, noch fühlte sie sich ängstlich, sie war im Gesang verbunden mit der Natur, mit den ersten Sternen und mit allen was sie umgab. Sie spürte ein tiefes Einst sein, eine Zugehörigkeit, das Lied wurde immer intensiver und Cosma spürte immer Stärker den Atem der Natur und das große Herz des Universums. Sie spürte, was nicht zu fassen, eine alles umfassende Verbundenheit, ein alles umfassendes Einst sein, zu dem auch sie untrennbar gehörte.

Leben
Chor der Natur!
Wir alle waren. Wir alle sind.
Wir werden sein. Gestalt verwandelt.
Denn Tod ist Geburt.

Ich fühle, „Ich bin“ Ich bin alles in allen.
Erkenntnis hat  Gestalt,  in der Welt, die dazu gehört.
Der Geist schafft die Welten.
Die Seele kehrt zurück.
Alle Erkenntnis fließt dem Ursprung zu.

Chor der Natur:
Alles Leben fließt 
über alle Welten,
erneuert zum Ursprung zurück.

Ein großes Herz, ein starker Atem und Cosma hörte irgendwann auf zu singen und lauschte der Melodie, dem Herzschlag, der sich auf sie übertrug. Sie fühlte Sicherheit, Ruhe und tiefen inneren Frieden. Schwerelos, mit einer Geborgenheit der jegliche Angst fremd ist versank Cosma tiefer und tiefer ihren Schlaf. Ein zufriedenes Lächeln lag auf ihrem Gesicht, ihre Arme sanken schwer zu Boden und ihr Atem wurde ruhiger und ruhiger, bis sie im Land der Träume angekommen war.
„Du gehörst zu uns, wir beschützen dich während du schläfst. Wir werden wachsam sein und dich so gut verbergen wie wir können. Schlaf gut Prinzessin, schlaf gut und ruh dich aus. Hier bist du geborgen, Prinzessin,“ flüsterten Stimmen im Traum die aus der Erde, den Pflanzen, den Steinen und den Sternen kamen. „Psst, seit leise und weckt die Prinzessin nicht,“ sagte eine Stimme die tief und kräftig war, sich jedoch mühe gab nicht zu laut zu sein.“ Schaut wie sie schläft und wie schön war es mit ihr zu musizieren, sie zu fühlen. Ob Sie jetzt weiß, dass es nichts gibt, was keine Verbindung zueinander hat. Vielleicht weiß sie es nicht, antwortete die kräftige Stimme, aber gefühlt hat sie es und in ihren tiefsten innern weiß sie es. Ob sie sich erinnern wird an das was tief in ihr ist, fragte eine andere Stimme. Geduld, habt doch Geduld, sie hat doch gerade erste begonnen, sagte wiederum die kräftige Stimme im leisen Ton.“
In Cosmas Traum hatte alles in der Natur ein Gesicht. Die Steine, die Erde, die Bäume und Pflanzen. Keine Gesichter wie Menschen, nein sie strömten Leben aus, streichelten die Beine, wenn sie an Blumen vorbeiging. Die Bäume senkten Ihre Wipfel um ihr Schatten zu spenden und die Steine gruben sich tiefer in den Boden, um nicht ihre Füße zu verletzen. Alles bewegte sich, wenn sie in die Nähe des Lebens der Natur kam und sie achtete darauf, ihr keinen Schaden zuzufügen. Wenn ihr kalt war sagten die Hölzer zu ihr, nimm mich, ich wärme dich und wenn ihr warm war riefen die Quellen „Prinzessin“ ich lösche deinen Durst. Sie pflanze die Samen der Früchte in den Boden, wenn sie eine Frucht aß, damit neue gedeihen konnten, wenn andere hier rast machen würden um ihren Hunger zu stillen. Sie gab der Natur zurück, was sie ihr nahm und bedankte sich bei allen, was ihr von der Natur geschenkt wurde. Sie streichelte mit den Händen über das Gras und ihr war, als würde das Gras ihre Hände streicheln.“
Cosma erwachte. Sie fühlte sich frisch und ausgeruht, hielt einen Moment inne und dachte an ihr Erlebnis und ihren Traum zurück, bevor sie mit neuer Kraft e Ihren Weg fortsetzte. In ihren Gedanken waren die Geschehnisse des letzten Tages lebendig. Sie fühlte eine tiefe Verbundenheit mit allen was sie umgab, mit jeden Baum, jeden Gras und dem Himmel über ihr. Eine Kraft durchströmte sie im tiefsten innern. Einer unbändige Kraft, Ruhe und Gelassenheit. Ihr Gang war stark, ihre Schritte waren fest, ihre Füße trugen sie zu einem Ort den Sie nicht kannte, aber den sie fühlte und Cosma war nun bereit zu diesen Ort zu gehen. Der Ruf den Sie vernahm wurde stetig lauter und ihr Schritt wurde schneller. „Ich komme,“ sagte sie leise, „ich komme“.
Ein lauter werdendes Geräusch ließ Cosma plötzlich stillstehen. Sie horchte in die Richtung aus der es kam. Es hörte sich an wie Pferdehufe und ein Wagen, der anscheinend von Ihnen gezogen wurde und jetzt sah sie auch schon den von ferne anrollenden Wagen, dessen Kutscher es wohl sehr eilig hatte, denn er schwang seine Peitsche, die durch die Luft sauste und einen knall auslöste, bevor sie zurück schwang. Cosma blieb ruhig stehen und unternahm keine Anstalten, sich im nahen Gebüsch zu verstecken. Der Kutscher müsste sie mittlerweile auch entdeckt haben, trieb aber weiter ungebremst die Pferde vor sich her. Erst kurz vor Cosma sagte der Kutscher „Halt“ zu den Pferden, die sofort langsamer wurden, auf Cosma zusteuerten und kurz hinter ihr zum stehen kamen.
Der Kutscher sah verwundert auf die Frau herunter und staunte über den Anblick, der sich im bot. Vor ihm stand eine Frau mit langen Blonden Haaren, die ihn an ein reifes Kornfeld erinnerten, indem die Sonne hinein schien. Augen die so blau waren wie es nur der Himmel sein konnte sahen ihn ruhig an. Die Frau hatte ein einfaches Gewand an, das jedoch genug von Ihren Brüsten freigab, um den Kutscher einen Laut der Verwunderung zu entlocken. „Ich bin Petre, wer bist du und wo kommst du her?“ „Mein Name ist Cosma und ich durchwandere die Welt um sie kennen zu lernen, war ihre vorsichtige Antwort, denn um ehrlich zu sein, wusste sie noch nicht, was sie auf dieser Welt überhaupt suchte und welchen Sinn es haben sollte.
Ich nehme dich gerne mit, das ist bestimmt besser so, bei all den Gefahren, die hier so lauern, erwiderte der Kutscher. Welche Gefahren, fragte Cosma. Man weiß ja nie, antwortete der Kutscher nur. „Gut, nimm mich mit. Es soll wohl so sein, sagte Cosma. Der Kutscher schaute sie verwundert an und wies ihr einen Platz auf dem Kutschbock. Festhalten, sagte er, wir müssen schnell wieder in die Stadt, nur da sind wir sicher und Cosma spürte wie verängstigt der kleine, aber kräftig wirkende Mann mit dem runden Gesicht  war.
Wo wird es denn hingehen, fragte sie. Wir fahren nach „Angesten“, dem einzigen Ort, wo man wirklich sicher sein kann.
Ist es denn so gefährlich. Noch ist nichts passiert, sagte Petre, aber man weiß ja nie. Es ist doch besser man sorgt vor, als dass man von irgendetwas überrascht wird, schöne Frau.
Cosma war gespannt was in dieser Stadt, die Petre „Angesten“ nannte, auf sie zukommen würde. Sie sollten noch einige Zeit auf dem Kutschbock verbringen, bis die Stadt vor Ihren Augen auftauchen sollte. Cosma dachte an das was sie erlebt hatte, während die Bäume an ihr vorbei flogen wie der Wind. Nur sie war es, die bemerkte, dass sich die Bäume vor Ihr verneigten, während sich Petre unentwegt bücken musste....." Textauszug Ende

Textauszug aus "Der Wanderer der letzten Zeit" von Lennart Cole (C) 2005.

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